02. Dezember 2012 · 29 Kommentare · Kategorien: Internet · Tags:

Ich kann das natürlich nicht mit Zahlen belegen, aber in letzter Zeit fallen sie mir immer häufiger auf; Blogs, die nicht ihr eigenes Kommentarsystem verwenden, sondern Disqus einbinden. Gefühlt (!) verwendet seit einiger Zeit jeder zweite Blog das Kommentarsystem des gleichnamigen amerikanischen Anbieters. Aber warum? Welche Vor- und Nachteile bietet Disqus?

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Was ist Disqus?

Disqus ist ein Kommentarsystem, das sich in bestehende Blogs und Webseiten einbinden lässt. Das Kommentarsystem wird dabei bei Bedarf ebenso wie die abgegebenen Kommentare von US-amerikanischen Servern auf den Rechner geladen bzw. abgegebene Kommentare werden auch dort gespeichert. Disqus ist in San Francisco beheimatet, von wo aus das System seit 2007 entwickelt und fortlaufend verbessert wird [disqus.com].

Bildschirmfoto von Disqus

Vorteile von Disqus

Es hat schon Gründe, warum Disqus in letzter Zeit solch große Verbreitung erlangt hat. Die Software lässt kaum Wünsche offen, ist einfach einzubinden und auch größere Seiten, wie CNN.com oder welt.de setzen darauf. Vorteile von Disqus sind unter anderem:

  • Leser können als Gast kommentieren, ein Disqus-Konto erstellen oder sich mit einem bestehenden Facebook-, Twitter- oder Google-Account einloggen. Da Disqus mittlerweile sehr weit verbreitet ist, müssen diese Daten nicht wie üblich auf jedem Blog einzeln angegeben werden. Einmaliges Angeben der Daten reicht, sodass Leser normalerweise sofort drauf los kommentieren können.
  • Ein weiterer Vorteil ist die konsistente Bedienung. Disqus sieht (fast) überall gleich aus. Wer es einmal benutzt hat, findet sich auf allen Seiten damit zurecht. Zwar gibt es verschiedene Disqus-Designs, auf den meisten Seiten wird jedoch das Standarddesign verwendet.
  • Die Betreiber von Blogs müssen keine Angst vor automatisierten Spam-Nachrichten haben. Span scheint effektiv gefiltert zu werden bzw. aufgrund der Tatsache, dass das Formular mit JavaScript nachgeladen wird, ist Disqus von vornherein nicht so interessant für Spam-Bots.
  • Kommentare werden via JavaScript direkt auf die Rechner der Besucher geladen. Die Server der Betreiber der Seite werden somit möglicherweise etwas weniger stark belastet. Auch werden Leser über neue Kommentare benachrichtigt, ohne dass es notwendig ist, die Seite neu zu laden. Bei Bedarf werden neue Kommentare via Ajax nachgeladen.
  • Disqus bietet von Haus aus einige Funktionen, die zum Beispiel Kommentarformulare verschiedener Blogprogramme nicht mitbringen. So können Kommentare positiv oder negativ bewertet oder auch auf diversen sozialen Netzwerk geteilt werden.
  • Seit einiger Zeit werden die Kommentare von Disqus nicht mehr ausschließlich bei Disqus selbst gespeichert, sondern können zusätzlich in der Datenbank des jeweiligen Blogs hinterlegt werden. Dies hat den Vorteil, dass auch Seitenbetreiber selbst im Besitz der Kommentare bleiben, was bei einem Wechsel weg von Disqus natürlich recht praktisch ist.
  • Da Disqus via HTML und JavaScript eingebunden wird, ist es nicht zwingend notwendig, dass der Webserver PHP oder MySQL unterstützt. Das ist dann zum Beispiel für Blogger praktisch, die eine Software wie Octopress verwenden oder überhaupt auf statische Seiten setzen.

Nachteile von Disqus

Wo Licht ist, ist aber auch viel Schatten und so kommen wir nun zu den Nachteilen von Disqus.

Das ewige Problem mit dem Datenschutz

Logo von Disqus

IP-Adresse und Kommentar werden auf Servern in den USA gespeichert und unterliegen damit dort den gesetzlichen Datenschutzbestimmungen. Besonders problematisch ist vor allem ein Umzug zu Disqus. Alte Kommentare müssen dabei in die USA gesendet werden. Da die Kommentatoren zur Zeit des Kommentierens aber nicht wissen konnten, dass ihre persönlichen Daten (E-Mail-Adresse, IP-Adresse, Inhalt) in ferner Zukunft mal in die USA gesendet werden, könnte der Umzug für den Blogger rechtliche Folgen haben. Da hilft es auch nichts, wenn nachträglich ein Hinweis ins Impressum geschrieben wird. Über so einen Umzug sollte also gründlich nachgedacht werden.

Einen recht großen Aufschrei gab es unter anderem aus diesem Grund vor einiger Zeit bei Caschy. Dieser kündigte an, testweise mal Disqus auszuprobieren. Dabei sollten 216.000 alte Kommentare, die sich über die vergangen Jahre angesammelt hatten, auch zu Disqus übertragen werden. Nach ein paar Tagen wurde zwar erklärt, dass der Import nicht funktioniert hätte (scheinbar aufgrund der großen Anzahl an Kommentaren), doch ist es für Leute, die dort innerhalb der letzten Jahre in irgendeiner Form kommentiert hatten, im Zweifel auch nicht kontrollierbar, welche ihrer Daten nun auf den Disqus-Servern liegen und welche nicht.

Weiter Nachteile

  • Ein weiter Nachteil von Disqus ist die Tatsache, dass das Kommentarsystem erst via JavaScript nachgeladen werden muss. Dabei kommt es möglicherweise zu Performance-Nachteilen gegenüber nativen Kommentarlösungen. Das ist auf einem Notebook oder Desktop-PC vielleicht kaum bemerkbar, auf Smartphones kann es allerdings zu merklichen Hängern beim Laden der Seite kommen.
  • Disqus kann auch recht schlecht in das restliche Design der Seite integriert werden. Allerdings wurde das Design von Disqus während der letzten Jahre zunehmend minimalistischer, weshalb dieser Punkt wohl nicht mehr so schwer wiegt.

Eure Meinung

Wie steht ihr zu Disqus? Kommentiert ihr lieber über Disqus oder findet ihr, dass es grundsätzlich besser ist, wenn eure persönlichen Daten beim Seitenbetreiber selbst bleiben?

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29 Kommentare

  1. Ich finde Disqus schrecklich und hinterlasse grundsätzlich keine Kommentare via Diskus.
    Das Freischalten von Script und die Lagerung der Daten bei Drittparteien tun ein übriges. Abgegebene Kommentare sind zwar eh öffentlich. Erst die Kombination mehrere Kommentare (samt E-mail) in einer externen Datenbank macht die Daten erst wertvoll durch die Erstellung eines Profils.
    Wozu also eine datenrechtlich bedenkliche Funktion outsourcen, wenn es i.d.R. auch eine interne Lösung gibt?

  2. Ich bin auch kein Freund von Disqus. Erstens ist aus Sicht des Datenschutzes bedenktlich, Disqus einzubinden, da sämtliche Daten zu Servern in die USA übertragen werden.
    Des Weiteren gibt es noch einen Punkt, den Du eventuell noch zur Liste der Nachteile hinzufügen könntest, nämlich, dass diese Lösung nicht barrierefrei ist und so Behinderte nicht die Möglichkeit erhalten, ihre Meinung mitzuteilen.
    Sicherlich ist es ein schönes System, was einfach funktioniert, aber die Nachteile sind aus meiner Sicht zu schwerwiegend.

  3. Überflüssiger, lahmarschiger, obendrein gefährlicher Rotz.

  4. Es freut mich zu lesen, dass es immer mehr Blogger gibt, die sich mit dem Datenschutz auseinandersetzen und ihn nicht auf die leichte Schulter nehmen.

  5. @Didi: Nutzst du nicht immer noch Google und Facebook?

  6. @Yannick: Danke für die Ergänzung, werde es oben noch einfügen. Was mir auch noch aufgefallen ist: Man kann als Gast keine Homepage angeben.

  7. Das Hauptargument gegen Disqus ist immer wieder die Tatsache, dass sensible Daten auf Servern in den USA gespeichert werden. Dazu gehören Name, IP, E-Mail-Adresse. Als Alternative die interne WordPressfunktion zu nennen, ist aber nicht so einfach, wie alle sagen. Denn auch auf selbst gehosteten Blogs ist es so, dass eine automatische E-Mail von WordPress an den Autor verschickt wird (in der Standardeinstellung so eingestellt). In dieser Mail wird er auf den neuen Kommentar hingewiesen, inklusive der persönlichen Daten des Kommentators: Name, E-Mail, IP….

    Und wie viele Blogger nutzen E-Mail-Adressen von Google, Yahoo, Hotmail und Co? Jetzt ratet mal, wo deren Server so stehen…

  8. @Benni: Das ist doch klar, aber hier entscheidet der Besucher selbst, wohin seine Daten gehen. Darum geht es doch.

  9. Wie sieht das eigentlich suchmaschinentechnisch aus? Erfasst Google mit JS nachgeladene Kommentare? Oft stehen ja die interessanten Lösungen eines Problems erst in den Kommentaren und aus SEO-Sicht ist das auch nicht zu verachten.

  10. @Benni: Es gibt Plugins, die genau dies verhindern.

  11. PTW: Mit welchem Plugin wird das „@Kommentator“ in diesem Blog erzeugt? Gefällt mir gut.

  12. @Sebastian & @Didi: Ich glaube Benni meint damit, dass sich viele Blogger via Mail über neue Kommentare benachrichten lassen und dafür eben Google-, Microsoft- oder Yahoo-Mailadressen verwenden. so ein E-Mail beinhaltet dabei IP-Adresse, E-Mail, Name und Inhalt des Kommentators. Ich finde den Einwand gar nicht schlecht, habe ehrlich gesagt so noch gar nicht darüber nachgedacht.

    @Sebastian: Wie das mit JavaScript und Suchmaschinen aussieht, wissen wahrscheinlich nur die Suchmaschinenbetreiber selbst. Aber ich denke nicht, dass JavaScript so wie früher generell einfach kompeltt nicht beachtet wird. Dafür ist es einfach inzwischen zu weit verbreitet.

    @Didi: Das Plugin heißt „@ Reply“ und ist hier seit ein paar Wochen im Einsatz. Mir gefällt das bisher auch recht gut so.

  13. @Valentin: Private Daten lasse ich aus den Kommentaren meiner Kommentatoren entfernen. Da ist nichts drin, auch nicht über Google.

  14. @Valentin: Schade, das Plugin funktioniert bei mir nicht. Wahrscheinlich beißt es sich mit irgendeinem anderen. Das Problem ist mir von anderen Plugins her bekannt.

  15. Den Eindruck, dass mittlerweile gefühlt jeder zweite Blog auf Disqus setzt, den teile ich. Genau das habe ich mir auch schon in letzter Zeit häufiger gedacht. Zugegeben, du listest einige Vorteile für Disqus auf, die schon irgendwo interessant klingen, dennoch kann ich mich damit überhaupt nicht anfreunden.

    Auf meinem Blog habe ich einen Weg eingeschlagen, der mir gar nicht mehr erlaubt, Disqus zu verwenden. Social Buttons nur noch als Zwei-Wege-Buttons, andere Social-Komponenten komplett entfernt, weg von Google Analytics zu Piwik, weg von Akismet zu Antispam Bee – da kann ich dann nicht mit Disqus kommen, das wäre inkonsequent, damit mach ich mich ja unglaubwürdig. 😉

    Datenschutz ist aber nur die eine Sache. Für mich persönlich kommt ein riesengroßer Störfaktor hinzu. Es stört mich, dass die Kommentare via JavaScript nachgeladen werden. Es gibt mir einfach nicht das Gefühl, dass die Kommentare noch zur Seite gehören. Und es verzögert den kompletten Seitenbau inklusive der Kommentare spürbar. Und die Barrierefreiheit kommt dazu. Ich weiß von mindestens einer Leserin meines Blogs, dass sie blind ist. Und der möchte ich das Leben nicht unbedingt schwerer machen.

    Aber: Wenn ich weiß, dass eine Seite Disqus einsetzt, okay, dann setzt diese Seite Disqus eben ein. Wenn ich auf der Seite einen Kommentar hinterlassen möchte, dann tu ich das auch. Ich weiß dann ja, worauf ich mich einlasse und treffe eine bewusste Entscheidung. Dass auf im Artikel genanntem Blog aber ein Import der bisherigen Kommentare zu Disqus stattfinden sollte, das hatte ich gar nicht mitbekommen, das ist für mich absolut inakzeptabel, wenn das einfach so ungefragt passiert. Wenn ich einen Kommentar auf einer Seite hinterlasse, dann in dem Vertrauen, dass die Kommentare dort bleiben, wo sie zum Zeitpunkt des Kommentars sind und nicht irgendwann woanders landen.

  16. Sehr langsam, funktioniert mit vielen mobilen Browsern nicht richtig, lädt sehr langsam, oft nur unvollständig, das Kommentieren dauert viel länger als mit den üblichen Kommentarfeldern. Mit NoScript kann man es auch nicht nutzen. Das ganze Social-Blabla kann man wenn man umbedingt will auch mit Plugins für WP einfügen, wenn man umbedingt will.

    Für micht macht es Sinn Disqus zu verwenden wenn man auf Blogcompiler wie Octopress setzt.

  17. Ich verzichte nach Möglichkeit auch auf Kommentare mit Disqus.
    Der um sich greifende Registrierungswahn nervt.
    Es ist auch elend langsam.

  18. @Holger: Langsam? Versuche mal einen Kommentar via Disqus auf einem lahmen Androiden oder einem Uralt-Smartphone mit Windows Mobile abzugeben. Am besten noch über Opera Mini, da kannst du froh sein wenn du das Fertigladen des Kommentarbereiches überhaupt erlebst bevor der Browser dank JS-Overkill die Grätsche macht.

    In meinem vorherigen Kommentar habe ich ja eine Grütze zusammengeschrieben…hier fehlt eindeutig eine Kommentar bearbeiten-Funktion. 😉

  19. Wie schaut es denn mit der Fückführung der Kommentare, wenn man mal nicht mehr Disqus verwenden möchte? Geht das oder ist dies eine reine Einbahnstraße?

  20. @Joaquín: Soweit ich weiß, werden die Kommentare (zumindest optional) auch in der eigenen Datenbank gespeichert. Man kommt also auch wieder weg von Disqus.

  21. @Benni: rrrrrrrrrrrüschtisch.. Daher verstehe ich den Aufriss einiger Vorredner nicht.

    @Yannik Barrierefreiheit
    in wie fern berührt Disqus die barrierefreiheit ?? Weil man in ein Fenster mit VORGEGEBENER Größe seinen Text eintippt ?? Weil man seine Lieblings Textfarbe nicht einstellen kann ??

    Disqus finde ich total in Ordnung , der rest der Kommentar hier ist Panikmache und was für Paranoiker !!

    ich kenne einige reine HTML Blog’s, welche aus gutem Grund weder PHP noch Mysql nutzen.

  22. Pingback: Linktipps: KDE, Linux, Unity, Webdesign, Octopress › picomol.de

  23. Pingback: Die besten WordPress Plugins – Asselmann.eu

  24. Ich benutze seit längerem auch Disqus und bin damit sehr zufrieden. Meiner Meinung überwiegen die Vorteile eindeutig.

  25. Hallo miteinander,

    ich bin jetzt auch auf der Suche nach einer Kommentarfunktion und bin eigentlich auf Disqus gelandet – aber mehrere Erfahrungsberichte haben mich davon jetzt irgendwie abgehalten.
    Welches System findet ihr für gut?
    Ich habe meinen Blog in die Website integriert, er ist also eher eine Art „Newsbereich“ – somit kommen Kommentarlösungen ala WordPress nicht in Frage!

    Besten Dank!

  26. ich bin jetzt auch auf der Suche nach einer Kommentarfunktion und bin eigentlich auf Disqus gelandet – aber mehrere Erfahrungsberichte haben mich davon jetzt irgendwie abgehalten.

  27. Hallo, wir probieren Disqus gerade insofern aus, indem wir uns einen Account eingerichtet haben. So können wir jederzeit flexibel in unserem Themenumfeld kommentieren und diskutieren. Es war für uns in der Vergangenheit nicht optimal, keinen Disqus-Account zu haben, da viele Webseiten mit interessanten Themen mittlerweile Disqus nutzen.

  28. @Jochen: es scheint wieder der übliche Herdentrieb zu sein: „wir müssen’s machen, weil’s alle machen“. Am Ende des Tages sollte doch irgendwann mal irgendwem auffallen, dass bloggen überhaupt nur noch mit einem account bei einer der US-amerikanischen „socoal“ media plattformen geht. So auch mit Disqus – also WTF? Wie kann die Welt ihr gesamtes Wissen, ihre Technologie, ihre Menschen, Daten von und über alles nur einer einzigen Nation in die Hände legen und völlig unkritisch deren freier Willkür überlassen? Wie können Milliarden „aufgeklärter“ Menschen sich völlig und restlos in die Abhängigkeit dieser einen Nation begeben? Ich bin fassungslos…

  29. Ich würde Disqus auf keinen Fall einsetzen, da dadurch ein massives Datenschutz-Problem unterstützt wird: Die Möglichkeit von Disqus zusätzlich zu den hinterlassenen Kommentaren auf Websites eben auch das genaue Surf-Verhalten von Seite zu Seite betreiberübergreifend auszuspionieren und darauf Profile zu erstellen. Ähnlich der Google Dienste (Analytics, etc.) und Social Media Buttons.

    Und mal ehrlich: Es geht hier nur um eine simple Kommentar Funktion. Dafür die Daten seiner Website-Besucher verkaufen?

  30. Das System Disqus funktioniert bei vielen (interessanten) Seiten leider tatsächlich nur so:
    Mach mit oder lass es bleiben.
    Da müsste man im Kollektiv gegen vorgehen, was im Internet keine große Aussicht auf Erfolg hat – denn nicht jeder liest diesen Blog hier..

  31. Die Kritik wegen Datenschutz erstaunt mich.

    Wenn ich auf Blog XYZ einen Kommentar absetze, dann WILL ich, dass dieser weltweit gelesen werden kann. Das enthebt meinen Text von jeglichem Schutzbedarf.

    Ich übelege tatsächlich, ob ich disqus in meinen – statischen – Blog einbinde.

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