Wie entwickelt sich der Browsermarkt in den kommenden Jahren? Bleibt der Internet Explorer Platzhirsch oder übernimmt in ein paar Jahren ein anderer Browser die Führungsspitze? Diesen und anderen Fragen werde ich in diesem etwas längerern Blogbeitrag nachgehen und meine Meinung zur Browsermarkt-Aufteilung der Zukunft darlegen.

Der Browsermarkt heute

Im Moment sieht die Lage wie folgt aus. Nach Informationen von netapplications.com führte im vergangenen Monat weiterhin der Internet Explorer von Microsoft mit dem größten Benutzeranteil den Browsermarkt an (57,1%). Dahinter folgt mit 22,8% Mozillas Firefox. Am dritten Platz dann der jüngste der prominenten Browser, Chrome von Google. Etwas mehr als 2 Jahre nach der ersten stabilen Version, besitzt dieser bereits einen Marktanteil von 10%. Auf den weiteren Plätzen folgen Apples Safari mit 5,9% und Opera mit 2,2%. Die verbleibenden 2% teilen sich verschiedene Nischen-Browser auf.

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Wichtige Faktoren

Entscheidend für die Zukunft des Browsermarktes sind meiner Meinung nach einige Faktoren mit großem Einfluss. Da wäre zum Beispiel die Situation rund um Firefox. Mozilla arbeitet seit geraumer Zeit an Firefox 4, allerdings ist ein genauer Termin für die Veröffentlichung des fertigen Produkts noch nicht bekannt. Offiziell heißt es, dass der Browser in der ersten Jahreshälfte dieses Jahres erscheinen soll. Wichtiger Faktor 1: Ob Firefox seine im Moment knapp 23% auf Lange Sicht halten kann, hängt davon ab, wie gut die neue Version des Browsers wird. Die Konkurrenz sitzt Mozilla nämlich im Nacken.

Viele Firefox-Nutzer sind bereits zu Google Chrome oder seinem freien Pendanten Chromium gewechselt. Vorteile Chromes sind vor allem der schnelle Fortschritt in der Entwicklung und die Tatsache, dass der Browser für die heutige Zeit programmiert und entwickelt wurde. Man merkt Chrome, im Vergleich zu anderen Browsern an, dass die Software noch nicht so viele Altlasten aus längst vergangener Zeit auf dem Buckel hat, die die Weiterentwicklung abbremsen und kompliziert machen. Chrome wurde von Grund auf für die heutige Zeit konzipiert. Unkomplizierte Steuerung, schnelles Javascript und Kompatibilität zu aktuellen Web-Standards, das sind Chromes Stärken.  2. wichtiger Faktor: Schafft es Google, die derzeitige Geschwindigkeit in der Weiterentwicklung beizubehalten?

Ein weiterer Konkurrent, von dem Firefox bislang profitiert hat, ist der Internet Explorer. Microsoft hat nach der Veröffentlichung der Version 6 des Browsers die Weiterentwicklung abgestellt. Man dachte, der Browser sei komplett – fertig, zumindest für ein paar Jahre. Was Microsoft dabei missachtet hatte: Das Web entwickelte sich weiter, auch wenn der Internet Explorer stehen geblieben war. Und genau zu dieser Zeit konnte sich Firefox in der breiten Masse durchsetzen. Er war smarter, leichter und schneller und er beherrschte Tabbed-Browsing. Viele Nutzer kehrten daraufhin dem Internet Explorer dem Rücken zu und wechselten zur Konkurrenz. Die meisten davon zu Firefox. Seit einigen Jahren jedoch hat Microsoft begriffen, dass sich das Internet auch heute noch weiterentwickelt. Version 7 und 8 des Internet Explorers waren klare Verbesserungen zu V6, aber mit der aktuellen Entwicklerversion des IE 9, scheint Microsoft einen echten Hammer gelandet zu haben. Ich habe die Testversion selbst ausgetestet und muss sagen, dass die finale Version mit großer Sicherheit ein sehr gutes Stück Software werden wird, die alle älteren Versionen des IE klar in den Schatten stellen wird. Wichtiger Faktor 3: Wie gut wird der neue Internet Explorer und was macht Microsoft nachher? Haben sie aus ihren Fehlern gelernt?

Und Apple? Was ist mit Apple? Der Marktanteil des vierten Browsers im Bunde, Safari, wuchs in den letzten Jahren konstant an. Das Wachstum ist dabei wohl zum größten Teil der Verbreitung von Mac OS X, iPhone und iPad geschuldet. Unter Windows ist der Browser meiner Meinung nach zu schlecht integriert. Wie stark sich Safari in Zukunft verbreiten wird, hängt wohl zum größten Teil damit zusammen, inwieweit sich Apple-Produkte gesamtheitlich verbreiten.

Zukunftsvisionen

Was kann man aus der Vergangenheit lesen? Naja, möglicherweise die Zukunft. Und da sieht es wie folgt aus. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Monopol, wie es seinerzeit der Internet Explorer hatte, noch einmal geben wird. Jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. Es wird in Zukunft immer ein Browser-Gemisch, eine Art Browser-Gemüsesuppe, geben, wo mehrere Browser einen signifikanten Teil des Marktes bekommen werden. Alles was jetzt kommt hat natürlich etwas von Wahrsagerei, aber auch wenn ich kein Wahrsager bin, hoffe ich die Zukunft mehr oder weniger abschätzen zu können.

Sofern in den nächsten Jahren nicht etwas völlig unerwartetes passiert (Microsoft oder Google gehen bankrott, Apple wird zum Lebensmittelhersteller oder die Opera-Entwickler erfinden ein perpetuum mobile), könnte sich die Browsermark-Aufteilung wie folgt verschieben.

Der Internet Explorer wird noch einige Zeit Marktanteile verlieren. Irgendwann wird sich die Lage aber stabilisieren und bei etwa 45% wird sich der Browser von Microsoft dann langfristig aufhalten. Der IE bleibt Marktführer.

Mozilla Firefox wird, vorausgesetzt Firefox 4 wird ein Erfolg, die 25%-Marke erreichen, dann wird aber Schluss sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mozilla mit ihrem (im Vergleich zu Microsoft und Google) geringen finanziellen Budget recht viel mehr aus dem Markt herausholen können wird.

Google Chrome wird auf jeden Fall der Gewinner der kommenden Jahre. Ob Chrome in absehbarer Zeit zum Marktführer wird, will ich bezweifeln. Dass Chrome aber zu Firefox aufschließen und ihn eventuell sogar überholen könnte, steht für mich fest. Google ist einfach eine Macht im Internet. Google hat ein Beinahe-Monopol im Bereich der Suche und außerdem prominente Internetdienste wie GMail oder Youtube. Es sollte ein Leichtes für Google sein, den aktuellen Marktanteil von Chrome zu verdoppeln, möglicherweise ist auch noch mehr drinnen.

Nun kommt ein Browser ins Spiel, den ich bis jetzt noch nicht angesprochen hatte: Opera. Vor allem die letzten Versionen des Browsers sind ziemlich interessant. Die Entwickler sind zu Innovationen fähig. Leider hat es mit dem großen Durchbruch bis heute aber nicht geklappt. Vielleicht würde Opera eine Offenlegung des Codes helfen, eine Community um das Projekt aufzubauen. Opera als OpenSource? Warum nicht. Ansonsten scheint Opera den Fokus sowieso eher auf mobile Geräte (Smartphones und Tablets) zu legen. Dort sind Opera Mobile bzw. Opera Mini eine Macht. Bedenkt man die steigenden Verkaufszahlen solcher Geräte, also durchaus ein lukrativer Markt.

Und Apple? Was ist mit Apple? Wie oben bereits angesprochen. Verkaufen sich Apples Geräte weiterhin so gut wie heute oder wird die Konkurrenz stärker? Für mehr als 15% wird es für den Safari-Browser meiner Meinung nach niemals reichen. Dafür sind Apples Geräte zu teuer und elitär und der Browser auf anderen Betriebssystemen in meinen Augen und im Vergleich zur Konkurrenz nicht gut genug. Außerdem bekommen Apple-Produkte vor allem im mobilen Bereich immer mehr Konkurrenz.

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4 Kommentare

  1. Sehr gute Zusammenfassung
    Nur kann man den Statistken den trauen?
    In Europa soll demnoch das geschehen sein was deiner Meinung nach nicht eintreten sollte und FF die Marktführerschaft errungen hat vor dem IE?
    http://gs.statcounter.com/#browser-eu-monthly-201006-201012

    Auch sehe ich für die Zukunft einen starken Zusammenhang wohin sich der Computermarkt entwickelt , der IE ist allein abhängig von Windows bzw. Microsoft und läuft auf keinen anderen System, FF oder Chrome sind da flexibler.
    Wird zudem der klassische PC Markt in einigen Jahren noch die gleiche Bedeutung haben wie heute oder andere Plattformen ihn langsam Verdrängen?
    Werden Browser für Smartfon ,Tablet, CloudOS oder TV Geräte vielleicht demnächst einen höheren Marktanteil besitzen als der vom klassischen PC?
    Mit welchen Betriebssystem werden diese Geräte laufen eine große Frage für die weitere Marktmacht von Windows und dem IE.

  2. Ich hab mich bewusst an den weltweiten Markt gehalten. Dass Firefox in Europa den Internet Explorer überholt hat, weiß ich. Aber Europa ist nur ein kleiner Teil der Welt und so einfach wie in Europa hat es der Firefox ansonsten kaum wo auf der Welt.

    Der andere Teil deiner Antwort: Klar, auch die Zusammensetzung der verschiedenen Geräte, die sich mit dem Internet verbinden können wird sich ändern. Allerdings denke ich, dass PCs oder Notebooks so schnell nicht signifikant an Anteilen verlieren. Tablets und Smartphones werden kommen, aber in nächster Zeit eher als Zusatz, vielmehr als Ersatz.

  3. …Allerdings denke ich, dass PCs oder Notebooks so schnell nicht signifikant an Anteilen verlieren. Tablets und Smartphones werden kommen, aber in nächster Zeit eher als Zusatz, vielmehr als Ersatz….

    Ja aber es geht dabei um den verwendeten Browser und haupsächlich um deren Nutzungszeit, diese könnte zuküftig bei den klassischen PCs oder Notebooks Abnehmen, wohingegen sie bei mobilen Geräten dann Zunimmt.
    Der „Browserkampf“ wird ja weniger um den Absatz der Software geführt (da die Programme ja Kostenlos) sondern um deren Nutzungszeit und der dabei anfallenen Nutzerdaten ect., sonnst gebe es wohl keine Kostenlose Browser mit so aufwändigen Entwicklungskosten.
    Daher ist die Gesamtheit der Internetnutzung mobil oder stationär für die Hersteller viel Wichtiger als lediglich ein Teilbereich.

  4. Wirklich sehr interessanter Artikel. Bin auch der Meinung, dass Chrome/Chromium in den nächsten Jahren noch weiter wachsen wird. Google ist mächtig. Firefox wird es schwer haben, denn Nutzer, die schnell von Internet Explorer zu Firefox gewechselt sind, wechseln auch schnell von Firefox zu Chrome.

    mfg Arturius

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