Die Entwicklung der freien Desktopoberflächen ist derzeit so spannend wie nie. Vor allem beim GNOME-Projekt herrschen ziemliche Turbulenzen. Vor der 3er-Ära des Softwareprojektes war es jahrelang ziemlich ruhig. Jede Linux-Distribution lieferte den GNOME 2-Desktop mehr oder weniger identisch aus. Meist gab es ein paar Design-Änderung – neue Symbole oder ein paar andere Einstellungen. Große Differenzen gab es nie: Einheitsbrei – alle kochten nur mit Wasser. Das hat sich mit GNOME 3 geändert.
Der Standard: Die GNOME Shell
Mit der Veröffentlichung von GNOME 3 bekam das GNOME-Projekt eine neue Oberfläche verpasst. Die GNOME Shell wurde eingeführt. Einige lieben sie, andere hassen sie. Ich persönlich finde das Konzept ziemlich gut. Einfach und schnell bedienbar, wenige Mauskilometer, optisch minimalistisch aber ansprechend. Allerdings merkt man wie immer bei jungen Softwareprojekten, dass es an der ein oder anderen Stelle noch hakt.

Die GNOME Shell hat die Art, wie man heute einen Computer bedient revolutioniert – meiner Meinung nach zum Positiven hin! Ich bin aber nicht alle, und die GNOME Shell scheint nicht jedem so zu gefallen – weshalb sich eine Reihe von Alternativ-Projekten gebildet haben.
Ubuntu geht den eigenen Weg: Unity
Bereits vor der Fertigstellung der GNOME Shell war für die Ubuntu-Entwickler klar, dass die wohl am meisten genutzte Linux-Distribution nicht auf die GNOME Shell umsteigen wird. Unity, vormals für kleinere Netbooks entwickelt, sollte nun der Universaldesktop für PC, Notebook, Netbook, Tablet, TV und Smartphone werden.
Davon ist man heute zwar noch ziemlich weit entfernt, auf klassischen Rechnern läuft Unity aber schon recht gut. Unity ist von der Idee her nicht so revolutionär wie GNOME Shell, hat aber doch die Art der Bedienung wesentlich verändert.

Ich bin der Meinung, dass sowohl GNOME Shell als auch Unity insgesamt einfacher zu bedienen sind, als es der GNOME 2-Desktop je war. Zwar fehlt es für Poweruser noch an Einstellungsmöglichkeiten, doch für den einfachen Benutzer, der einfach seine Programme nutzen möchte, sind alle beide tadellos nutzbar.
Klassisch aber modern: Cinnamon
Als Linux Mint 12 (Lisa) erschien, war ich ziemlich enttäuscht. Die GNOME Shell, der Desktop, der mir persönlich sehr gut gefiel, wurde in meinen Augen entstellt. Das war eine Mischung aus GNOME Shell und GNOME 2 – aber nicht wirklich was Ganzes, Konsistentes.
Mit Cinnamon, einem GNOME Shell-Fork, bekennen die Entwickler nun Farbe. Man will dem klassischen Desktop treu bleiben, aber auf eine solide, moderne Grundlage setzen.


Glasen schrieb in seinem Blog, dass man mit einem Fork des GNOME 3 Fallback Modus wohl relativ schnell zu einem GNOME 2-ähnlichen Desktop kommen würde.
Die Entwickler haben sich offensichtlich aber dagegen entschieden und die GNOME Shell selbst geforkt. Ich könnte mir folgende Gründe für die Entscheidung vorstellen:
- Der GNOME Fallback-Modus wird wohl früher oder später vom GNOME-Projekt fallengelassen, da die GNOME Shell bald auch ohne 3D-Beschleunigung funktionieren wird.
- Die GNOME Shell bringt standardmäßig einige Funktionen mit, auf die man bei Linux Mint trotz des traditionellen Ansatzes nicht verzichten wollte, zum Beispiel den Festernübersichtsmodus.
Alles GNOME 3
Alle drei der hier vorgestellten Oberflächen sind Oberflächen von GNOME 3. Der größte Teil der Codebasis ist also identisch. Es werden zum größten Teil auch die selben Konfigurationsdialoge verwendet. Unity sowie Cinnamon sind lediglich alternative Oberflächen für die GNOME Shell.
Cinnamon ist das jüngste der drei Projekte und erst ein paar Monate alt. Das sieht man der Software auch an, weshalb endgültige Rückschlüsse auf die Sinnhaftigkeit der Software noch nicht gezogen werden können. Ein erstes Fazit ist in dieser Hinsicht wohl erst nach der Veröffentlichung von Linux Mint 13 möglich.
Es bleibt auch interessant, ob sich eine der drei Oberflächen auf der Breite durchsetzen wird oder ob in Zukunft mehrere GNOME 3-Oberflächen koexistieren werden. Was denkt ihr?

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