Im gesamten Netz scheint es derzeit nur ein Top-Thema zu geben. Mitten im Sommerloch stellte Google das soziale Netzwerk Google+ vor. Mein Feed-Reader quillt über vor „ersten Tests“, „Hier gibt’s Einladungen“ und „Google+ ist super“-Artikeln. So interessant ich Google+ auch finde, getestet hab ich es bisweilen noch nicht und darüber schreiben werd ich hier erstmal auch nicht – machen ja alle anderen schon.

Viel spannender finde ich die Umgestaltung vieler Google-Dienste. Google soll das bekommen, was die letzten Jahre eindeutig gefehlt hat: Ein homogenes Design, übergreifend auf alle Google-Dienste. Die Suche, Google Calendar und Google Maps wurden bereits umgestylt. Das neue Design finde ich persönlich erste Sahne, da ist Google wirklich was gelungen. So richtig große Luftsprünge werde ich aber erst machen, wenn neben der Suche auch die Dienste einen neuen Anstrich bekommen, die ich am häufigsten nutze: Gmail, Reader und Youtube.

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Technik hui, Design pfui

Google war, was Funktionen angeht, immer vorne mit dabei. Das Design war aber nie wirklich hübsch. Klar, es war minimalistisch und störte nicht – aber heutzutage isst das Auge einfach mit. Da fehlte was. Außerdem gab es zwischen den einzelnen Diensten keinen Zusammenhang, kein einheitliches Design. Viele Nutzer der Suche wissen vielleicht gar nicht, wie viele Dienste Google sonst noch so anbietet. Wohl auch deshalb wird sich der Internet-Riese für die auffallend dunkelgraue Menüleiste entschieden haben. Jetzt wird es noch offensichtlicher, was eigentlich lange schon klar war. Google beherrscht das Internet – Google ist allgegenwärtig.

Das Internet im Internet

Das Internet besteht aus vielen kleinen Seiten und wenigen ganz großen. Viele dieser wenigen ganz großen betreibt Google. Ohne Google gäbe es das Internet, wie wir es heute kennen, mitsamt seinen vielen Vorteilen nicht. Bill Gates sagte im Jahre 1995 einmal:

Das Internet ist nur ein Hype

Ein Jahr später startete Google-Vorgänger BackRub, noch einmal zwei Jahre später ging die Suchmaschine mit dem Namen Google online. Von da an ging es mit der einstmaligen Garagenfirma Google steil bergauf. Bis Microsoft einsah, dass das Internet eben nicht nur ein zeitlich begrenzter Hype war, dauerte es – viele Jahre.

Das mag wohl einer der Gründe gewesen sein, warum Google heute einen derartigen Technologie-Vorsprung auf die gesamte Konkurrenz hat. Technologie-Vorsprung und viel wichtiger – Marktanteil, gigantischen Marktanteil. Heute hat Google ein riesiges Monopol im Bereich Suchmaschinen und Internet-Anzeigen.

Google ist das Internet

Oder zumindest ein sehr großer Teil davon. Wo man auch hinsieht, Google ist überall.

  • Das Erlebnis Internet startet meist mit einer Suche,
  • die auch direkt im Google-Browser Chrome gestartet werden kann.
  • Man kommt nun entweder auf eine Google-eigene Seite
    • wie Youtube
    • oder Google Maps
    • oder Picasa
  • oder auf eine nicht von Google betriebene Seite,
    • die mit Google Adsense Geld verdient bzw. finanziert wird,
    • die mit Google Analytics seine Besucherzahlen auswertet,
    • oder die den Google+1-Button eingebunden hat.
  • Alternativ klickt man auf eine Anzeige und gelangt somit auf eine Seite, die Google dafür bezahlt, dass Besucher angelockt werden.
  • Anschließend ruft man seine Gmail-E-Mails ab,
  • liest sich im Google Reader die neuesten Neuigkeiten durch,
  • klickt auf ein paar +1-Buttons und
  • unterhält sich auf Google+ mit seinen Freunden und Bekannten.

Bedenklich?

Man muss sich nun die Frage stellen: Ist das bedenklich? Kann das gut sein, wenn eine Firme einen Großteil des Internets dominiert? Ist Google böse?

Fakt ist: Google tut viel, um das noch aus den Anfangszeiten stammende „Don’t be evil„-Image auch in die Gegenwart zu retten. Google unterstützt freie Software, Google fördert offene Standards, die das Internet offener und freier machen, Google setzt auf regenerative Energien und mietet Ziegen, um den Wildwuchs im Google-Garten ohne Rasenmäher eindämmen zu können.

Trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack. Google könnte viel Böses anstellen mit den vielen Daten, die die vielen untereinander vernetzten Dienste zwangsläufig ausschütten. Die Frage, die sich stellt und die nicht so einfach zu beantworten ist wäre: Will Google böse sein? Oder will Google einfach nur ein immer besser werdendes Internet, damit dieses von immer mehr Menschen genutzt wird, was dazu führen würde, dass Google immer mehr damit verdienen könnte?

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2 Kommentare

  1. Nicht zu vergessen, solche Dienste wie Blogspot.com und Feedburner 😉

    Google nicht zu mögen fällt ziemlich schwer. Die machen eigentlich alles soweit richtig. Die Frage ist für mich weniger, ob das bedenklich ist, sondern vielmehr, wann es das ist. Die heutigen Entscheidungsträger sind nicht zwangsläufig die zukünftigen und auch eine Firmenphilosophie kann sich ändern.

  2. Nicht nur Google auch Facebook kann damit viel Böses anstellen und macht es sogar bis zum Aufdecken der Lecks.
    Die Währung all dieser vermeintlich „kostenloser “ Dienste oder Sozialen Netzwerke sind die Privaten Daten der Nutzer , dieses ist auch bei Microsoft oder Apple so, nur das sich deshalb immer alle auf Google Einschießen und Bing oder Andere außen vor lassen.
    Niemand auch kein Blogger fragt warum eigentlich Firmen Mrd in vermeintlich Kostenlose Dienste Investieren und wer das am Ende Bezahlt?
    Es müsste zu einem Paradigmen Wechsel kommen nur Versagt die Politik gegenüber der Lobby.

  3. Pingback: Wo bleibt das Sommerloch 2011? Patente, Seifenblasen und Gedanken | picomol.de

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