Ubuntu GNOME Remix kommt mit seiner Programmvorauswahl etwas untypisch daher. Programme wie Firefox oder LibreOffice fehlen. Außerdem merkt man dem Projekt an, dass es noch sehr jung ist und auf einem Ubuntu basiert, dessen höchste Priorität nicht mehr auf der Wartung der GNOME-Pakete liegt.

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Live-CD und Installation

Die Installation von Ubuntu GNOME Remix (UGR) läuft so ab, wie man es bereits von der „normalen“ Ubuntu-Version kennt. Einfach, schnell, unkompliziert. Der einzige Unterschied ist der, dass nicht Unity, sondern natürlich die GNOME Shell den Nutzer begrüßt. Als Design wird das GNOME-Standard-Design Adwaita verwendet. Jeder, der schon mal eine Ubuntu-Version installiert hat, wird sich hier zurecht fühlen.

Ubuntu GNOME Remix: Installation

Standardprogramme

Die Wahl der Standardprogramme ist etwas gewöhnungsbedürftig. Ich persönlich finde die ein oder andere Wahl etwas unglücklich. Die Philosophie dahinter ist wohl, dass man so viel GNOME wie möglich und so wenig „Fremdartiges“ wie nötig auf das Installationsmedium packen will. Leider leidet darunter teilweise auch die Qualität.

  • Als Standardoberfläche kommt natürlich die GNOME Shell in Version 3.6 zum Einsatz
  • Statt LibreOffice bringt UGR AbiWord und Gnumeric mit. Abgesehen davon, dass es sich bei LibreOffice um eine komplette Office-Suite handelt, können beide Programme weder mit LibreOffice Calc noch mit LibreOffice Writer mithalten.
  • Das Ubuntu Software Center wird ebenfalls nicht mitgeliefert, stattdessen kommt „Software“ zum Einsatz (GNOME PackageKit)
  • Web (hieß mal Epiphany Web Browser) ersetzt Firefox
  • Evolution wird statt Thunderbird mitgeliefert
  • GDM ersetzt LightDM
  • Nautilus (Dateien) kommt in der veralteten 3.4er-Version mit, da diese auch für Ubuntu ausgeliefert wird
  • Ubuntu One fehlt ebenfalls
  • Der Rest ist eigentlich recht ähnlich zum Standard-Ubuntu

Natürlich können alle Alternativen einfach aus den Software-Quellen nachinstalliert werden. Nautilus bzw. „Dateien“ 3.6 und ein paar andere Programme, die in den Ubuntu-Quellen nicht vorhanden sind, kann man sich über das GNOME Team PPA nachinstallieren/aktualisieren. Ich möchte hier aber nochmal auf die Gefahren von PPAs hinweisen.

Ubuntu GNOME Remix ist noch nicht ausgereift

Dass die Ubuntu-GNOME-Version noch sehr jung ist, merkt man relativ bald. Die Tatsache, dass Canonical für die Unity-Version sehr viel an GNOME herumbastelt, erschwert die Sache zusätzlich.

Das merkt man zum Beispiel an den Systemeinstellungen. Die drei Symbole für die Kategorien der Einstellungen fehlen. Den Punkt Online-Konten gibt es dafür zwei Mal. Dabei öffnen sich dann auch zwei verschiedene Programme. Während die einen Programme (z.B. Empathy) auf die einen Online-Konten-Einstellungen zugreift, suchen andere Programme (z.B. Dokumentenverwaltung) die Einstellungen unter den anderen Online-Konten.

Systemeinstellungen

Die Dokumentenverwaltung (GNOME Documents), die in den Ubuntu-Quellen vorhanden ist, funktioniert auch nicht wirklich. Im derzeitigen Zustand ist sie unbrauchbar, da sporadische Abstürze den Spaß an der Sache ziemlich verderben.

Auch bei E-Mail-Programm merkt man, dass sich die Canonical-Entwickler wohl hauptsächlich auf die gute Integration von Mozilla Thunderbird konzentrieren. Evolution funktioniert für mich derzeit überhaupt noch nicht, da es nicht möglich ist, ein Gmail-Konto hinzuzufügen. Mindestens scheint das Update zu dem Problem in naher Zukunft zur Verfügung zu stehen.

Problematisch sind also vor allem all jene Programme, die nicht standardmäßig mit Ubuntu ausgeliefert werden.

Ein Blick in die Zukunft

Das UGR-Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, bis zur kommenden Ubuntu-Version 13.04 (die übrigens Raring Ringtail heißen wird) ein offizielles Ubuntu-Derivat zu werden. Noch ist das Ganze keine runde Sache.

Bis dahin, werde ich wohl bei Ubuntu 12.04 bleiben, das derzeit auch mit der GNOME Shell tadellos funktioniert. Ich hoffe, dass genug Entwickler sich dem UGR-Projekt antschließen, damit die nächste Version des Ubuntu GNOME-Ablegers dann etwas ausgereifter daherkommt.

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2 Kommentare

  1. Korrigiere Versionsnummer in der Überschrift und den fehlenden Namen der Ubuntu-Version 13.04 😉

  2. Ohje, danke für die Meldung!

  3. Pingback: Ubuntu GNOME gehört nun offiziell zur Ubuntu-Familie › picomol.de

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