Am 28. April soll Ubuntu Natty veröffentlicht werden. Bis dahin sind es noch einige Tage hin. Der Höhepunkt der neuen Ubuntu-Version wird mit Sicherheit die neue grafische Oberfläche namens Unity. Unity ist die neue Standard-Oberfläche von Ubuntu und Eigenentwicklung von Canonical, der Firma hinter Ubuntu.

Vorgeschichte

In Ubuntu Maverick (veröffentlicht im Oktober 2010) kam Unity erstmals vor, hier allerdings ausschließlich für die kleinen Netbooks. Nach der Veröffentlichung von Maverick entschied Canonical, dass ab der kommenden Ubuntu-Version (Natty) Unity zur Standardoberfläche für alle Bildschirmauflösungen und Computer-Typen werden soll. Desktop-PCs, Notebooks, Netbooks und Tablets: Unity soll eine Desktop-Oberfläche für alle werden. Unity, auf gut deutsch: Einheit, Gesamtheit, Geschlossenheit.

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Technisches

Unity setzt auf Compiz auf. Compiz ist bereits seit einigen Ubuntu-Versionen standardmäßig aktiviert, falls Hardware und Treiber 3D-Beschleunigung unterstützen. Das Projekt Compiz wurde mit Unity praktisch vor dem Tod gerettet, denn obwohl bis vor einigen Jahren Compiz die einzige Möglichkeit für nette, Grafikkarten-beschleunigte Effekte war, stand die Entwicklung die letzten 1-2 Jahre relativ still. Das hatte einen Grund. Mit „KWin“ entwickelt die KDE Software Compilation einen eigenen Fenster-Manager. Auch GNOME entwickelte was Eigenes, nämlich „Mutter“. Compiz, einst der Wegbereiter für hübsche Linux-Desktops, schien nicht mehr gebraucht zu werden.

Noch in Ubuntu Maverick setzte Unity wie das in Entwicklung befindliche GNOME3 auf Mutter. Nach Maverick sattelte man dann plötzlich auf Compiz um. Die Entwickler versprachen sich mit Compiz als Grundlage eine bessere Performance. Man tat sich also die Arbeit an und schrieb Unity um. Dummerweise wurde wenige Wochen später ein Patch für Mutter veröffentlicht, der die Performance des Fenster-Managers dermaßen beschleunigte, dass scheinbar sogar die Geschwindigkeit von Compiz überschritten werden konnte. Möglicherweise hätte man sich den Wechsel auf Compiz also sparen können. Vielleicht gab es aber auch andere Gründe, die zum Wechsel auf Compiz geführt haben. Schließlich wird der Großteil der Entwicklung an Compiz nun von einem festangestellten Canonical-Entwickler geleistet. Dies könnte dazu führen, dass Compiz ideal auf Unity abgestimmt werden kann. Andererseits würde man sich einen Teil der Entwicklung aber sich auch sparen können, setze man auf Mutter.

Unity 3D/2D

Normalerweise benötigt Unity 3D-Unterstützung durch die Grafikkarte. Da das zum Beispiel aufgrund unpassender Hardware oder schlechter Grafikkartentreiber manchmal nicht möglich ist, wird neben Unity auch nocht Unity 2D entwickelt. Unity 2D läuft auch ohne 3D-Beschleunigung und basiert auf Qt. Allerdings wird Unity 2D in Ubuntu Natty standardmäßig nicht installiert werden. Verfügt der PC nicht über die notwendigen Anforderungen, wird stattdessen der klassische GNOME-Desktop gestartet. Keine GNOME Shell, kein Unity, nur die beiden klassischen GNOME-Leisten oben und unten. Wer will, kann sich allerdings Unity 2D nachinstallieren. Wer Unity 2D bereits in Ubuntu Natty ausprobieren will, muss dazu lediglich das Paket unity2d zu installieren. Ab Ubuntu 11.10 soll Unity 2D dann standardmäßig mitinstalliert werden.

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2 Kommentare

  1. Ich find die derzeitige Lage unter Linux echt erschreckend. Warum setzen nicht alle auf Compiz oder irgendwas, warum muss jeder was eigenes entwickeln und ständig das Rad neu erfinden?

    Vor allem wird Grafikkartenherstellern die Treiberentwicklung unnötig verkompliziert, da sie x composites unterstützen müssen und nicht nur einen…

  2. ne, es ist genau anders herum, kwin, mutter, compitz richten sich nach den treibern, nicht die treiber nach den compositing managern.

    es macht sehr wohl sinn, dass jede seinen eigenen (3d)-fenster-manager hat.

    natürlich gibt es noch genügend dinge für einen gemeinsamen desktop zu erledigen. sehr viel sogar. an den fenstermanagern liegt aber wohl das kleinste problem.

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