Nachdem Google den hauseigenen Feedreader begraben hat, sieht der ein oder andere das Ende der RSS-Feeds bereits gekommen. Warum Feeds noch lange nicht tot sind und weshalb freie Technologien auch im Internet wichtig sind.

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RSS war nie Mainstream

Es ist ja wirklich so, im Mainstream sind RSS und Konsorten nie angekommen. Kaum jemand in meiner Umgebung außer mir nutzt wirklich einen Feedreader zur Informationsbeschaffung. Liest man lediglich eine Hand voll Nachrichtenseiten täglich, die alle paar Minuten einen neuen Artikel ins Internet werfen, ist ein Feedreader auch relativ sinnlos.

Ich persönlich aber, und wahrscheinlich viele andere Blogger oder Journalisten wollen oder müssen eine Vielzahl an Quellen verwalten. Ich persönlich habe über 200 Feeds abonniert, größtenteils Blogs. Viele davon bloggen nur sehr selten, vielleicht einmal im Monat. Trotzdem möchte ich auch diese Artikel nicht versäumen und genau deshalb sind RSS-Feeds für mich das Mittel der Wahl.

Feeds wurden nie gehyped, hatten nie den ganz großen Durchbruch und trotzdem werden sie von Millionen Menschen täglich genutzt. Und denen ist es ziemlich egal, ob 95% der Menschen nie etwas davon gehört haben. Feeds sind vielleicht altbacken und uncool, aber wie auch Jürgen heute feststellte,

immer noch der schnellste und übersichtlichste Weg, an Informationen zu kommen.

Auch Mails sind uncool

Wie RSS-Feeds, wurde auch die E-Mail des öfteren für tot erklärt. In Wirklichkeit, für die wichtigen Dinge im Internet, ist die E-Mail aber nach wie vor das Mittel der Wahl. Ich selbst schreibe gerne Mails und finde die elektronische Post praktisch, stressfrei und vor allem – niemand wird davon ausgeschlossen.

Letzter Punkt ist nämlich auch der große Vorteil von Mail und RSS – Freiheit. Der Nutzer ist damit unabhängig von einem Betreiber, kann das Programm seiner Wahl verwenden, kann ohne Probleme umziehen. Das erklärt auch, warum kaum einer dieser Dienste von den Big Playern des Internets noch sonderlich gepuscht wird. Es ist schwer, Menschen an die Dienste zu fesseln, dafür eignen sich soziale Netzwerke viel besser.

Anbieter bleiben dort in Besitz aller Daten, eine Export oder Umzug ist normalerweise nicht möglich und Menschen, die im jeweiligen Netzwerk nicht registriert sind, werden ausgeschlossen.

Ich frage mich: Sollen soziale Netzwerke wirklich die Zukunft des Internets sein? Wollen wir den Fortschritt der Technik der letzten Jahrzehnte wirklich dazu nutzen, uns von einer Hand voll Firmen abhängig zu machen?

Nein. Ich mach da nicht mit und mit dieser Meinung stehe ich sicher nicht alleine da. Übrigens, „RSS ist tot“ ist tot.

Die Wiedergeburt der anderen

Ich finde es bemerkenswert, welchen Marktanteil der Google Reader hatte und wie wenig Konkurrenz es in diesem Bereich gab. Und das unter Anbetracht der Tatsache, dass Google seinen Dienst seit ein paar Jahren kaum mehr weiterentwickelt hat. Der Google Reader war zwar nie ein Funktionswunder, das was er konnte, machte aber gut. Mehr war eigentlich nicht nötig. Auch ich persönlich war immer zufrieden.

Nun, nach Googles Ankündigung den Dienst dicht zu machen, schießen alternative Reader wie Pilze aus dem Boden und bei bestehenden Diensten explodiert die Zahl der Neuanmeldungen. Ich persönlich habe bis jetzt noch keinen adäquaten Ersatz gefunden, aber bis Ende Juni hab ich ja noch Zeit.

Ein zentralistisches Internet passt nicht zu einer demokratischen Gesellschaft

Sollten wir dem Trend zu einer Zentralisierung des Internets entgegenwirken? Ich glaube, Dominik hat diese Frage für meinen Geschmack sehr gut beantwortet:

Was das Internet in Zukunft braucht ist eine demokratische Legitimation der Kerndienste und ein blühender Wettbewerb. Das sind die zwei Regeln, die in den meisten Bereichen unseres Lebens in einer westlichen Gesellschaft längst Einzug erhalten haben. Nur im Digitalen sind wir noch nicht soweit, weil die Gesellschaft und die Demokratie der rasenden Entwicklung nicht Schritt halten kann. Ich hoffe das wird sich bald ändern, ich hoffe es ganz im Namen des Internets und des technologischen Fortschritts.

PS: Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis Google auch Feedburner begraben wird. Von daher bitte ich all jene, die derzeit noch die Feedburner-Feed-Adresse abonniert haben, auf den direkten Feed umzustellen bzw. diesen zu abonnieren. Folgende Adresse: https://picomol.de/feed/

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29 Kommentare

  1. Google sollte GMail zumachen, dann ist Ruhe vor den Google-Fans…

  2. @tux.: Noch traut sich das Google nicht. Mal auf den Frühjahrsputz in einem Jahr warten ;-).

  3. @Valentin: Ach, stimmt, Google Mail wirft ja Gewinn ab. Frage mich, ob seinen Nutzern das eigentlich ganz klar ist.

    Google+ hingegen…

  4. Toller Artikel. RSS wenn Mainstream wäre… würde so viel erleichtern. Alleine bei ebay hab ich fast 20 Feeds laufen. Jede suche lässt sich dort ja als Feed speichern.

  5. Hat jemand eine Übersicht, was für Feed-Reader zum selbsthosten existieren? tt sieht nicht gerade hübsch aus, newsblur hat ziemlich massive Anforderungen…

  6. @onli: Es gibt außerdem Fever, rssLounge und selfOSS. ownCloud wird demnächst wohl folgen.

  7. Mir ist es wurscht, was Google mit seinem Reader macht. Er ist zwar klasse, keine Frage. Ich nutze ihn jedoch nur zur Synchronisation mit RSSOwl und ab und zu von anderen Computern aus. Ich suche mir nun einen anderen Webreader, bei dem ich mein Feeds für diesen „Notfall“ lagern kann. Feeds sind für mich das Informationsmedium Nr. 1, und sie werden es auch bleiben, quasi als ständig aktuelle Tageszeitung.
    Und sollte Google seinen Emaildienst einstellen: Ebenfalls wurscht. Dann geht’s eben zu Yahoo. Solange es sich nicht um Microsuck handelt, ist die Welt doch in Ordnung.

  8. @Didi: Microsoft hat noch keinen Dienst eingestampft, ohne umgehend eine höherwertige Alternative bereitzustellen.

  9. Deinen Artikel kann man so unterschreiben!

    Nur bei dem Zitat: „eine demokratische Legitimation der Kerndienste“ … was zum Teufel meinst er denn damit? Ich werde mal den ganzen Originaltext lesen … 😉

  10. @onli:

    Mehrere Open Source und mit einigem Funktionumfang fast nur tt-rss, NewsBlur und selfoss.

    tt-rss muss aber nicht nur Online genutzt werden. Du kannst auch einfach Mobil-Apps nutzen oder einen Desktop-Client etwa Liferea.

    Dann hast du einen Sync über mehrere Geräte hinweg (ist ja eine Client-Server-Struktur).

    Außerdem kann man ganz einfach Custom-CSS-Dateien nutzen. Dann sieht das Programm auch viel hübscher aus. Davon gibts mehrere im Netz. Man muss aber etwas suchen bis man etwas findet dass den persönlichen Geschmack trifft.

    selfoss, sieht ganz ordentlich aus, hat aber keine externe Unterstüzung (api mit sync etc) und ist außerdem noch sehr neu. Die Entwicklung ist aber sehr vorangeschritten in den letzten Tagen, eben durch die Google Reader Geschichte.

    rsslounge gibt es nicht mehr. Das Projekt ist zugunsten von selfoss aufgegeben worden.

  11. @Erik: Darunter versteht Dominik wohl, dass die wichtigsten Dienste im Netz allgemein zugänglich und für jeden nutzbar sind bzw. einfach nicht von einer einzigen Firma kontrolliert werden. Aber am besten ist es doch, du liest dir seinen Artikel einfach mal durch.

  12. @Didi: Wie siehts mit RSSOwl und OpenJDK aus?

  13. @[z]-Blog: Das heißt, es ist möglich tt-rss einfach auf dem Server laufen zu lassen und darüber alles zu synchronisieren, auf dem Desktop bzw. Smartphone ist es aber möglich richtige Anwendungen zu verwenden? Das wäre eigentlich perfekt, für den Notfall wäre dann immer noch die Weboberfläche da.

  14. @Valentin:

    Huch … noch jemand wach hier. Hallo Valentin!

    Ok, wenn er das damit meint, hat er völlig Recht. Deshalb bin auch ich weder in Facebook oder Ähnlichem bei dem ich Andere zwingen müsste auch dort mit zu machen um die Kommunikation Aufrecht zu erhalten. Ich würde es zwar eher „Offene und frei verfügliche Dienste“ nennen, aber was solls, Hauptsache er meint das Richtige. 🙂

  15. @tux.: Wer nur Schrott im Angebot hat, hat damit auch keine Probleme.

  16. @[z]-Blog: Ich nutze RSSOwl und OpenJDK mit Fedora und Ubuntu poblemlos.

  17. @Didi: Ein RSS-Client fehlt tatsächlich noch im Portfolio. Aber was genau stört dich an Outlook.com?

  18. @tux.: Z. B., dass MS, nachdem es sich noch in Werbespots deswegen über Google lustig gemacht hat, nun nach Änderung der AGB die Emails seiner Kunden ebenfalls scannt. Nicht, dass das Yahoo nicht auch macht. Es ist aber die vorbezeichnete Vorgehensweise, die das zweifelhafte Dienstleitungspaket abrundet. Dann sind da noch die technischen Unzulänglichkeiten, wie das nicht vorhandene Importieren von Datendateien etc., was Du selbst recherchieren wirst.

  19. @Didi: Das heißt, du meidest Dienste, die „ihre Kunden scannen“? Du lernst es ja doch noch. – Wie geht es deinem Google-Mail-Account?

  20. @tux.: Nein. Wie kommst Du darauf?

  21. @Didi: Nun, du scheinst es als Ausschlusskriterium heranzuziehen. Aber so sind sie, die Fundamentalisten: Böse Firma macht dasselbe wie gute Firma und ist trotzdem böse Firma.

  22. Ich versuche es ein letztes Mal: Es die Art und Weise, mit seinen Kunden umzugehen, mit der sich MS auf die unterste Stufe begibt. Weil es im Gegensatz zu Google Tatsachen verschweigt bzw. lügt. Das sollte jetzt aber genügen. Denn mit der Äußerung von Unwahrheiten kennst Du Dich doch ebenfalls gut aus.

  23. @Didi: Google tritt seine Kunden ganz offen und ehrlich in den Arsch. Viel besser.

  24. @tux.: Genau das ist der Unterschied: Google begibt sich erst gar nicht in die Grauzone zwischen strafloser Lüge und strafbarem Betrug. Der Nutzer hat es in der Hand, einen Tritt wahr(hin)zunehmen oder eben nicht.

  25. @Didi: Du scheinst gern getreten zu werden. Hoffe, Google macht Mail auch bald dicht.

  26. @Valentin: Ja. Am Anfang habe ich das Webinterface noch benutzt, aber jetzt seit mehreren Wochen so gut wie gar nicht.

    Folgendes Setup:

    Server mit CentOS und einer relativ aktuellen Version.

    Auf dem Telephon:

    http://f-droid.org/repository/browse/?fdfilter=rss&fdid=org.ttrssreader

    Das ist der Fork des Offiziellen Readers. Ich benutze ihn deshalb weil er besser im Offline-Modus funktioniert. Außerdem ist die UI klassischer mit Kategorien und Tags. Das einzige Problem: Die Anzahl der Ungelesenen Artikel kommt beim Offline lesen nicht mit und wird nicht runter gezählt. Das ist aber ein Fehler in der aktuellen Version, da ich F-Droid benutze ist es kein Problem eine ältere Version zu nutzen.

    Die offizielle Version:

    http://f-droid.org/repository/browse/?fdfilter=rss&fdid=org.fox.ttrss

    Die hat vor allem den Vorteil dass es ein Tablet Layout gibt.

    Auf dem Desktop nutze ich Liferea in der neusten stable Version, diese ist nicht in Ubuntu (12.10) ich musste deshalb ein PPA installieren. Das hat den Grund da es gerade vor ein paar Monaten einen API-Umbau bei tt-rss gab und ich immer eine der neusten Versionen benutze.

    Die Dinge die mich stören:

    Die Web-UI sieht etwas alt aus (blau mit oldschool gradient), dies lässt sich allerdings mit den angesprochenen Custom CSS ändern. Bisher war ich aber immer etwas zu faul das zu aktivieren.

    Für mich schlimm: Das Web-UI für mobil-Geräte sieht aus wie iOS. Funktioniert aber gut, wenn auch in den Funktionen beschränkt.

    Mobil-Client können zwar „Sharen“/“Publishen“/“Notes verfassen“ aber leider nicht Feeds hinzufügen. Da ich das aber eh nur am Desktop und dort auch nur mit Firefox mache ist das kein Problem für mich.

  27. Cool, jetzt nachdem ich meinen Artikel zum Thema geschrieben habe und deinen inklusive Kommentare lese, scheinen wir ja alle ähnliche Befürchtungen zu haben…

  28. @[z]-Blog: Danke. Mit verbessertem Aussehen könnte das eine gute Sache sein. Muss noch den Impuls niederkämpfen, selbst einen Reader zu schreiben… Wobei selfOSS wirklich richtig gut ausssieht.

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