Als Web 2.0 bezeichnete man den nach der Jahrtausendwende vermehrt einsetzenden Trend des interaktiven Internets. Weblogs und Foren sprossen wie Pilze aus dem feuchten Boden. Nun scheinen soziale Netzwerke immer stärker Foren derer Grundlage, aktive Nutzer, zu berauben.

Ich persönlich stoße immer wieder auf bis vor wenige Jahre sehr aktive Foren, die plötzlich geschlossen wurden oder deren letzter Post mehrere Wochen oder Monate alt ist. Schade, denn Foren gehören meiner Meinung nach in das Internet, wie das Amen in die Kirche. Sehr oft findet man Antworten zu Fragen, die man sich selbst stellt, ausreichend gut beantwortet in Foren. Auf Diskussionen in sozialen Netzwerken kann ich verzichten, mal abgesehen davon sind Beiträge meist nicht öffentlich sichtbar und wenn, dann unübersichtlich und nicht wirklich angenehm zu lesen.

Anzeige

Bei kleineren Foren kam der Tod durch die sozialen Netzwerke schneller, große Foren sind weniger empfindlich, doch auch dort ist die Aktivität meiner Meinung nach rückläufig.

Das alles ist natürlich nur mein persönlicher Eindruck, doch dieser erhärtet sich immer mehr. Was meint ihr? Trauert ihr den Foren hinterher oder habt ihr gar das Gefühl, dass Foren innerhalb der letzten Jahre nicht an Aktivität verloren haben?

Zusatz: Vor vielen, vielen Jahren betrieb ich selbst mal ein Forum. Ein Computerforum war es, wie 1000e andere auch. Irgendwann mal stampfte ich alles ein, da es den Aufwand nicht mehr wert war und die Aktivität der Nutzer immer weiter nachlies. Jahre später tat es mir leid, einfach alles vom Netz genommen zu haben. Ich und andere hatten recht viel Arbeit in die Seite gesteckt. Seit einem Jahr ist ein Archiv des Forums im Lesemodus wieder online.

Anzeige


8 Kommentare

  1. Ja, ist wirklich schade drum. Vielleicht nicht für den üblichen Nutzer, aber umso mehr für mich, war auch die Software immer ein Problem. Foren-Software scheint mir nie im Javascript- und Ajax-Zeitalter angekommen zu sein. Es wirkt immer etwas schwerfällig. Will ich bei Twitter und Co etwas posten gehe ich auf die Seite und schreibe los. Im Forum geht die Suche nach einer Kategorie los, dann Unterkategorie, dann Neues Thema erstellen, dann einen Titel überlegen… Und alles auf langsam ladenden, kompletten Unterseiten. Foren können zwar sehr viel geordneter sein, aber das ist auch teuer erkauft. Und wichtig erscheint mir die Ordnung auch nicht mehr: Inhalte finde ich durch Google und Konsorten. Ob der Artikel in der richtigen Kategorie steckt ist dabei zweirangig.

  2. @Sebastian: Da stimme ich dir zu. Heutige Bedienoberflächen sind teilweise dermaßen minimalistisch gehalten und einfach zu bedienen, dass Foren nur allzu häufig wie Relikte aus dem letzten Jahrhundert wirken. Irgendwie schade, aber das trägt sicherlich dazu bei, dass Foren nicht mehr allzu beliebt zu sein schein.

  3. Ich muss diesem Trend leider auch zustimmen. Ich frage mich, was aus Open Source Projekten würde, wenn es keine Foren dazu gäbe. Es würden enorm viele Teile der „verteilten Dokumentation“ in Form von Forenthreads mit Problemlösungen fehlen. Verabschieden werden sich solche Foren hoffentlich nie, denn das wäre ein so enorm großer Wissensverlust für das Internet, dass man dem sicherlich nach kurzer Zeit hinterherweinen würde.

    Hoffen wir mal, dass es dazu nicht kommt. Ich selbst bin auch noch in mehreren Foren sehr aktiv – mit oftmals weit mehr als tausend Posts.

    Zu der Anmerkung von Sebastian habe ich jedoch meine ich mal gelesen, dass http://vanillaforums.org/ da ganz gut dabei ist was ajax&js angeht. Bin mir aber nicht mehr allzu sicher.

  4. @fgreinus: Vanilla hab ich mal ausprobiert. Hat mir gar nicht so schlecht gefallen. Nur ist die Community dort noch relativ klein, weshalb es recht wenig Erweiterungen, Themes etc. gibt. Auch das Antispam-Problem hab ich mit Vanilla nicht so wirklich in den Griff bekommen.

  5. Ich kenne das Sterben der Foren nur zu gut, da ich selber eines Betreibe. Der Andrang war zwar nie sonderlich groß, was wahrscheinlich auch am Thema liegt und mit auf einen ortsbezogenen Handballverein eh schon limitiert, aber seit zwei – drei Jahren werden die aktiven Nutzer immer weniger. Mittlerweile handelt es sich nur noch um den „harten Kern“.

    Analog dazu geht aber auf Facebook mehr und darüber (und Google) erreichen wir mittlerweile auch die meisten Leute. Vor ein paar Tagen habe ich dann Disqus für unsere Newssektion eingebaut, damit auf der Seite wieder ein wenig mehr passiert. Disqus ist da ganz gut, denn um kommentieren zu können brauchts einen Facebook-, Google-Plus- oder Twitter-Account und eines von den Dreien haben die meisten Nutzer. Bin mal gespannt wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt.

    Ein anderes Beispiel ist ein Webmaster-Forum. 2002 bis 2006 war da so viel los, dass zeitweise gut 30 Mods unterwegs waren. Mittlerweile, hänge da selbst nicht mehr oft ab, gibt es nur noch eine Hand voll Moderatoren und die müssen sich um den Spam-Scheiß kümmern. Richtige Themen gibt es kaum noch.

    Positives Beispiel ist das Forum von ubuntuusers.de. Da mag vor einigen Jahren sicherlich noch mehr los gewesen sein, als heute, dennoch gehe ich alle paar Tage drauf und sehe dann auch allerlei neue Themen.

    Das Forum von golem.de ist auch gut besucht. Allerdings kann man die Leute da teilweise echt in die Tonne kloppen mit ihrem hochnäsigem und arroganten Getue. Bin da selbst nicht angemeldet, lese nur.

    Ach ja, gelesen wird natürlich viel. In unserem Handballforum haben wir insgesamt ca. 15000 Klicks im Monat. Etwas mehr als ein Drittel hat das Forum. Das zeigt, das gelesen wird. Nur, wenn kaum jemand etwas schreibt, gibt auch bald nichts mehr zu lesen… 😉

    Ich persönlich finde den Rückgang von Foren sehr schade, da ich Foren von der ersten Stunde erlebt und geliebt habe.

  6. Pingback: Stirbt das Internet aus? › picomol

  7. Ich habe auch eine lange Foren-Historie hinter mir, habe aber jetzt endgültig das Handtuch geworfen. In der Vergangenheit habe ich viel Zeit investiert, etliche Tutorials (schön für die Foren formatiert und aufbereitet) geschrieben und in mehreren Foren dafür gesorgt, dass Leben in die Bude kam.

    Für mich haben Foren immer zum Web 2.0 gehört, weil sie das Mitmach-Web und die Diskussionskultur im Netz so geprägt haben. Mittlerweile verirren sich nur ab und an mal neue User in die Foren, weil sie mal eben bei irgendwas Hilfe benötigen. Die entsprechenden Infos werden „abgegriffen“, um sich dann auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden. Ein Geben und Nehmen sind Foren beileibe nicht mehr…

    Wie gesagt, jetzt habe ich meine lange Foren-Zeit endgültig beendet, indem ich nun auch dem letzten Portal, in dem ich noch sehr aktiv war, auch noch den Rücken gekehrt habe. Ich hatte sehr lange Zeit viel Ausdauer, teilweise auch meine eigenen Foren betrieben, bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr einsehen, soviel Zeit und Arbeit in etwas zu stecken, das kaum noch jemanden interessiert. Man kann wirklich durchdachte und sauber formulierte Threads starten, die eigentlich für genügend Diskussions-Stoff sorgen sollten, aber stattdessen beschränken sich die User lieber darauf, sich in den sozialen Netzwerken verbal die Köppe einzuschlagen – und das am besten in „aussagekräftigen“ Dreizeilern, weil das Netz irgendwie zum Hort des schnellen Konsums von Bildchen, Texten und Videos geworden ist…

    Ich finde, dass sich das Internet in dieser Hinsicht wirklich negativ entwickelt und so ziemlich alle positiven Aspekte eingebüßt hat, für die das Web 2.0 mal gestanden hat. Besonders für die „Macher“, die sich in der Vergangenheit sehr viel „ehrenamtliche“ Arbeit gemacht haben, ist diese Entwicklung einfach nur eine Enttäuschung. Aber in Zeiten von Smartphones und immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen seitens der User, musste das wohl der nächste konsequente Schritt sein.

    Ich für meinen Teil kann eigentlich nur sagen, dass sich eine große Resignation breitgemacht hat, gegen die ich nun nicht mehr „ankämpfen“ kann und will…

  8. Hallo,

    ich kann mich leider nur anschließen. Das WEB 3.0 reduziert sich größtenteils darauf, nur Infos abzugreifen, sich nicht mehr nachhaltig zu beteiligen und nur an sich selbst und an die eigene Präsentation zu denken.
    Ich war bis 2008 Forenbetreiber eines Nieschenforum mit gut 800 Mitgliedern. Je stärker damals noch WKW und dann Facebook wurde, desto interessanter wurde es lieber den „Toilettenstatus“ auf Facebook zu posten, statt sich zu unterhalten und auszutauschen.
    Handys und Co haben den Rest gegeben.

    Gruß
    Marco

  9. Habe die ganze Internetenwicklung seit meiner ersten Online-Session mit AOL 1997 mitgemacht und muss auch feststellen, dass die meisten Foren den Zug verpasst haben. Denn bevor ich mich registriere und auf Freischaltung warte, um irgendwo einen Beitrag zu schreiben, lasse ich es lieber sein. Ich schätze, dass die nichtkompatiblen Foren allein schon 20-30% der Beiträge aufgrund der veralteten Technik verlieren. In FB muss man in Gruppen zwar auch freigeschaltet werden, aber das läuft schneller und erfordert keine umständliche Anmeldung. Und „am Ende des Tages“ ist es einfach die schiere Zeit, die FB und Whatsapp verschlingen. Da bleibt dann einfach weniger für den Rest des Internets.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.