Neulich beobachtete ich zwei Online-Umfragen zu ein und demselben Thema, auf zwei unterschiedlichen Seiten. Vergleicht man beide Umfrageergebnisse, bemerkt man, wie extrem diese von der Besuchergruppe der Seiten abhängen. Es ging bei beiden Umfragen darum, ob die Besucher lieber webbasierte E-Mail-Programme oder klassische Desktop-Programme nutzten.
Eine sehr spannende Frage, meiner Meinung nach. Ich persönlich bin schon seit einiger Zeit komplett auf das webbasierte Gmail umgestiegen. Zu oft wechsle ich mein Betriebssystem. Außerdem ist der Weg zu den angepinnten Tabs kürzer, als zu den Programmwechslern. Doch zurück zum Thema – zu den beiden Umfragen.
Grafischer, Web- oder kommandozeilenbasierter E-Mail-Client?
Diese Frage wurde auf pro-linux.de gestellt. Pro-linux.de ist eine Linux/OpenSource-Seite, sehr bekannt, mit großer Tradition. Das merkt man auch an den Lesern. Die sind in meinen Augen zu einem großen Teil relativ konservativ gegenüber Neuerungen eingestellt und lieben das altbekannte. Ich will hier niemanden zu unrecht in eine Schublade stecken, der durchschnittliche pro-linux-Leser mag aber etwas älter, interessiert an freier Software, sehr auf Sicherheit und Datenschutz achtend und kritisch gegenüber Neuerungen sein.
Die Ergebnisse der Umfrage sah wie folgt aus

Zu erwähnen ist, dass nur 137 Stimmen abgegeben wurden. Dies kommt daher, dass nur registrierte Nutzer an den Umfragen teilnehmen dürfen.
Webmail oder Programm?
So lautete die Frage auf stadt-bremerhaven.de. Dabei handelt es sich um einen Blog, der sich mit Themen wie Internet, Google, Apple, neuen Medien etc. beschäftigt. Meine reine Einschätzung, kann natürlich nicht für deren Richtigkeit garantieren: Die Leser sind jünger, offener für Neues und generell nicht konservativ.
Das Ergebnis dieser Umfrage

Ganze 2.674 Personen haben bis zum Zeitpunkt dieser News an der Umfrage abgestimmt – das sind eine Menge. Es war auch nicht notwendig, sich dafür zu registrieren.
Der Vergleich
Wie schon auf den ersten Blick zu sehen ist, können die meisten (registrierten) pro-linux-Leser den webbasierten E-Mail-Angeboten nicht viel abgewinnen. Der Großteil der Leser, 77%, nutzt ein grafisches Desktop-Programm. 11% nutzen Webmail im Browser, 10% einen auf Kommandozeile basierenden Client.
Auf stadt-bremerhaven.de sieht die Sache etwas anders aus. Hier nutzen nur 39% der Leser ausschließlich Desktop-Programme, während fast gleich viele nur auf Webmail setzen. 25% bleiben übrig, die beides, also sowohl Desktop-Programm, als auch Webmail einsetzen.
Wichtig: Es handelt sich bei beiden Seiten um Seiten, die sich mit technischen Themen befassen und trotzdem – der Unterschied im Ergebnis ist gewaltig. Würde man jetzt noch technisch völlig uninteressierte E-Mail-Nutzer nach ihren Vorlieben befragen, sie würden wahrscheinlich zum größten Teil angeben, Webmail-Nutzer zu sein.
Was ich mit diesem Artikel nun eigentlich sagen wollte: Umfragen haben immer nur eine beschränkte Aussagekraft. Man muss immer danken: Wer hat an der Umfrage teilgenommen? Wie wurden die Fragen genau gestellt? Wie waren die Antwortmöglichkeiten? Welche anderen Umstände gab es?
Bleibt noch eine abschließende Frage: Was nutzt ihr so?
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